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Jod: Bedarf, Jodsalz und was bei Schilddrüsenerkrankungen gilt

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Kurz gesagt: Jod brauchst du für deine Schilddrüse, und in Deutschland ist es in Böden und Pflanzen knapp. Die wichtigsten Quellen sind Jodsalz, Seefisch und Milchprodukte. Erwachsene brauchen laut DGE 150 µg am Tag; Schwangere und Stillende brauchen mehr; für sie empfehlen Fachleute meist zusätzlich eine Jodtablette – bei Schilddrüsenerkrankungen ist das eine ärztliche Entscheidung.

So viel brauchst du am Tag

Erwachsene150 µg/Tag
Schwangere220 µg/Tag
Stillende230 µg/Tag

Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für gesunde Menschen. Bei Erkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit gelten oft andere Werte.

Lebensmittel mit viel Jod

#Lebensmittelje 100 gje Portion
1Nori-BlätterGetreide, Hülsenfrüchte & Nüsse2.775 µg2.775 µg100 g
2KabeljaufiletFleisch & Fisch224 µg336 µg1 Filet
3EigelbKühlregal99 µg99 µg100 g
4Sardinen in Öl (abgetropft)Konserven & Gläser96 µg96 µg100 g
5Garnelen (roh, geschält)Tiefkühl91 µg113 µg1 Portion
6ParmesanKühlregal81 µg81 µg100 g
7FetaKühlregal78 µg39 µg1 Portion für den Salat
8SeelachsfiletTiefkühl65 µg65 µg100 g
9HeringsfiletFleisch & Fisch49 µg49 µg100 g
10HalloumiKühlregal47 µg47 µg100 g
11ThunfischsteakFleisch & Fisch44 µg44 µg100 g
12EiKühlregal44 µg24 µg1 Ei (Größe M)
13Spiegelei (gebraten)Kühlregal43 µg22 µg1 Spiegelei (Ei Größe M)
14Rührei (gebraten)Kühlregal41 µg41 µg100 g
15Kasseler (mager)Fleisch & Fisch40 µg40 µg100 g
16LöffelbiskuitBrot & Backwaren31 µg31 µg100 g
17RaclettekäseKühlregal26 µg26 µg100 g
18BergkäseKühlregal25 µg25 µg100 g
19MakrelenfiletFleisch & Fisch24 µg24 µg100 g
20KochschinkenFleisch & Fisch21 µg21 µg100 g

Werte je 100 g essbarem Anteil und je üblicher Portion. Quelle: Bundeslebensmittelschlüssel 4.0 (Max Rubner-Institut, CC BY 4.0). Gewürze und Öle sind nicht berücksichtigt, weil man davon nur wenig isst.

Wofür der Körper Jod braucht

Jod ist ein Spurenelement mit einer Hauptaufgabe: Die Schilddrüse baut daraus ihre Hormone. Diese Hormone steuern unter anderem den Energiestoffwechsel, das Wachstum und die Entwicklung von Gehirn und Nerven – beim Kind im Mutterleib ganz besonders.

Jod trägt zu einer normalen Produktion von Schilddrüsenhormonen und zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei. Außerdem trägt es zu einer normalen kognitiven Funktion bei, zu einem normalen Energiestoffwechsel, zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zur Erhaltung normaler Haut.

Der Körper kann Jod nicht selbst herstellen und nur begrenzt speichern. Er braucht also regelmäßig Nachschub. In Deutschland ist das eine Herausforderung: Die Böden enthalten seit der letzten Eiszeit wenig Jod, und damit auch Getreide, Obst, Gemüse und Trinkwasser.

Wie viel Jod du brauchst

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat ihre Werte 2025 gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung überarbeitet. Sie nennt für Erwachsene 150 µg Jod am Tag. Schwangere brauchen 220 µg, Stillende 230 µg.

Die früheren Werte lagen höher. Der Grund für die Senkung ist kein neuer Befund zum Bedarf, sondern eine neue Methode: Die alten Werte enthielten einen Zuschlag, um die schlechte Jodversorgung in der Bevölkerung auszugleichen. Die neuen Werte orientieren sich am Bedarf selbst. Gut versorgt sind die Menschen in Deutschland deshalb nicht automatisch. Untersuchungen des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass ein Teil der Erwachsenen und Kinder zu wenig Jod aufnimmt.

Lebensmittel mit viel Jod

Die Tabelle oben zeigt die jodreichsten Lebensmittel. Jodsalz steht dort nicht, weil man davon nur wenig isst – für die Versorgung ist es trotzdem die wichtigste Quelle.

Jodsalz: Verwende zu Hause Jodsalz statt Salz ohne Jod. Das ist der einfachste Schritt. Fast genauso wichtig ist, was andere salzen: Brot, Käse und Wurst werden nur teilweise mit Jodsalz hergestellt. Steht „Jodsalz“ oder „jodiertes Speisesalz“ in der Zutatenliste, ist es dabei. Und weil weniger Salz insgesamt gut ist: Jodsalz heißt nicht mehr Salz, sondern das richtige.

Seefisch: Seelachs, Kabeljau, Schellfisch und Scholle sind sehr gute Jodquellen, auch Meeresfrüchte. Die DGE empfiehlt ein- bis zweimal pro Woche Fisch. Ideen: Kabeljau mit Gemüse aus dem Ofen, Seelachs mit Kartoffeln und Senfsauce oder Garnelen-Pfanne mit Zucchini.

Milch und Milchprodukte: Sie enthalten Jod, weil das Futter der Kühe mit Jod angereichert wird. Joghurt, Quark, Skyr und Käse tragen deshalb zur Versorgung bei.

Eier liefern kleinere Mengen.

Vorsicht bei Algen: Getrocknete Meeresalgen wie Kombu, Wakame oder Nori können sehr viel und sehr unterschiedlich viel Jod enthalten. Das BfR warnt davor, dass schon kleine Mengen mancher Algenprodukte die verträgliche Höchstmenge deutlich überschreiten können. Bei Algenprodukten ohne Angabe des Jodgehalts ist Zurückhaltung angesagt.

Meersalz, Himalayasalz, Fleur de Sel: Sie enthalten kaum Jod, es sei denn, sie wurden jodiert.

Jodmangel erkennen

Ein leichter Jodmangel macht lange keine Beschwerden. Über die Zeit kann sich die Schilddrüse vergrößern, um mehr Jod einzufangen – das ist der sogenannte Kropf (Struma). Es können sich auch Knoten bilden. Bei einem ausgeprägten Mangel kann eine Schilddrüsenunterfunktion entstehen. Mögliche Zeichen sind Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Verstopfung, trockene Haut und Gewichtszunahme. Diese Beschwerden sind unspezifisch und haben oft andere Ursachen.

Wenn du so etwas bemerkst, lass die Schilddrüse ärztlich untersuchen. Meist wird dafür der TSH-Wert im Blut bestimmt, manchmal folgt ein Ultraschall.

Besonders wichtig ist Jod in der Schwangerschaft und Stillzeit. Das Kind braucht es für die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem. Ein erhöhtes Risiko für eine zu geringe Zufuhr haben außerdem Menschen, die sich vegan ernähren, kaum Fisch und Milchprodukte essen oder kein Jodsalz verwenden.

Nahrungsergänzung: wann sinnvoll

Schwangerschaft und Stillzeit: Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt Schwangeren und Stillenden zusätzlich zu Jodsalz eine Jodtablette mit 100 bis 150 µg am Tag. Sprich vorher mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt – besonders, wenn du eine Schilddrüsenerkrankung hast. Viele Präparate für Schwangere kombinieren Jod mit Folsäure. Mehr dazu auf der Seite zu Folsäure.

Vegane Ernährung: Ohne Fisch und Milchprodukte wird es mit Jod knapp. Jodsalz konsequent verwenden ist der erste Schritt. Ob zusätzlich ein Präparat sinnvoll ist, klärst du am besten ärztlich oder mit einer Ernährungsfachkraft.

Für alle anderen reichen Jodsalz, regelmäßig Seefisch und Milchprodukte meist aus.

Auf die Dosis achten: Das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 100 µg Jod pro Tagesdosis vor, für Schwangere und Stillende 150 µg. Die EFSA setzt die tolerierbare Höchstmenge für Erwachsene bei 600 µg am Tag an – aus allen Quellen zusammen.

Jod bei Schilddrüsenerkrankungen

Hier ist Vorsicht wichtig, und die Entscheidung gehört in ärztliche Hand:

  • Schilddrüsenüberfunktion, heiße Knoten oder Autonomie: Größere Mengen Jod können eine Überfunktion auslösen oder verstärken. Jodtabletten und jodreiche Algenprodukte nur nach Rücksprache.
  • Hashimoto-Thyreoiditis: Bei dieser Autoimmunerkrankung der Schilddrüse gilt eine normale Ernährung mit Jodsalz meist als unproblematisch. Ob Jodtabletten infrage kommen, ist aber eine ärztliche Entscheidung.
  • Schilddrüsenmedikamente: Wenn du Schilddrüsenhormone oder andere Mittel nimmst, besprich jede Änderung bei Jod mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Häufige Fragen

Gibt es eine Jodallergie?

Eine echte Allergie gegen Jod gibt es nicht, weil Jod als Spurenelement auch im Körper selbst vorkommt. Reaktionen auf jodhaltige Röntgenkontrastmittel oder Desinfektionsmittel haben andere Auslöser. Die Mengen in Jodsalz sind dafür nicht relevant.

Ist Meersalz gesünder als Jodsalz?

Nein. Meersalz besteht wie jedes Salz fast nur aus Natriumchlorid und enthält kaum Jod. Für die Jodversorgung ist Jodsalz die bessere Wahl.

Hilft Jod beim Abnehmen?

Nein. Bei einer normal arbeitenden Schilddrüse bringt zusätzliches Jod keinen Effekt auf das Gewicht. Wer eine Schilddrüsenunterfunktion vermutet, lässt die Werte ärztlich prüfen, statt Jod auf eigene Faust zu nehmen.

Ist Jod im Fisch durch Kochen verloren?

Ein Teil geht beim Garen verloren, aber Seefisch bleibt eine sehr gute Quelle. Dämpfen oder Garen im Ofen ist schonender als langes Kochen in viel Wasser.

Quellen

  1. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Jod. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), 3. Auflage, 2025.
  2. Aktualisierung (2025): Höchstmengenvorschläge für Jod in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2025.
  3. Ernährung und Lebensstil vor und während der Schwangerschaft – Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben. Netzwerk Gesund ins Leben, Das Gesundheitswesen, 2018.
  4. Tolerable Upper Intake Levels for Vitamins and Minerals. European Food Safety Authority (EFSA), 2006.
  5. Jodversorgung in Deutschland: Ergebnisse des Jodmonitorings bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Robert Koch-Institut (RKI), Journal of Health Monitoring, 2019.
  6. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. Europäische Kommission, Amtsblatt der Europäischen Union, 2012.
  7. Bundeslebensmittelschlüssel (BLS), Version 4.0. Max Rubner-Institut, 2025.

Stand: 23.10.2026

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