Diät im Check

Noom: wie das App-Programm mit Psychologie und Farben arbeitet

Ein kostenpflichtiges Abnehmprogramm als App: Essen protokollieren, Lebensmittel nach Farben einordnen und täglich kurze Lektionen zu Gewohnheiten und Verhalten.

KI-Bild

Das Prinzip

Die App berechnet ein Kalorienbudget und ordnet Lebensmittel nach ihrer Energiedichte in Farben ein. Dazu kommen Lektionen aus der Verhaltenspsychologie. Abgenommen wird – wie bei jeder Diät – über ein Kaloriendefizit.

Aufwand im Alltag
mittel
Studienlage
begrenzt

Spricht dafür

  • Nichts ist verboten – die Farben lenken, statt zu sperren
  • Das Farbsystem macht das Prinzip der Energiedichte leicht verständlich
  • Lektionen zu Gewohnheiten, Auslösern und Rückfällen gehen über reines Kalorienzählen hinaus
  • Flexibel, weil alles über das Smartphone läuft

Spricht dagegen

  • Kostet laufend Geld, solange du teilnimmst
  • Tägliches Protokollieren ist auf Dauer mühsam
  • Wenige unabhängige Langzeitstudien, viele Auswertungen stammen vom Anbieter selbst
  • Wer persönlichen Kontakt braucht, bekommt ihn nur eingeschränkt

Passt gut, wenn …

  • Menschen, die gern mit einer App arbeiten und Freude am Protokollieren haben
  • Alle, die verstehen möchten, warum sie essen, wie sie essen
  • Wer nichts komplett streichen, aber besser einschätzen möchte, was satt macht

Nicht geeignet …

  • Schwangere und Stillende – Abnehmen nur nach Rücksprache mit Ärztin oder Arzt
  • Kinder und Jugendliche
  • Menschen mit einer Essstörung – jetzt oder in der Vergangenheit; Protokollieren und Farbkategorien können zwanghaftes Kontrollieren verstärken
  • Menschen mit Diabetes-Medikamenten oder Blutdruck-Medikamenten – die Dosis muss eventuell angepasst werden
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen – vorher ärztlich abklären

So funktioniert Noom

Noom ist ein Abnehmprogramm des US-Unternehmens Noom Inc. aus New York. Es läuft komplett über eine App und ist kostenpflichtig, meist als Abo. Zum Start beantwortest du einen ausführlichen Fragebogen zu Gewicht, Alltag, Zielen und Gewohnheiten. Daraus berechnet die App ein tägliches Kalorienbudget und einen Plan.

Das Programm hat drei Bausteine:

  • Essen protokollieren: Du trägst ein, was du isst, und siehst, wie viel von deinem Budget übrig ist. Dazu kommen Gewicht, Schritte und Wasser.
  • Farbsystem: Jedes Lebensmittel bekommt eine Farbe – Grün, Gelb oder Orange.
  • Lektionen und Coaching: kurze tägliche Texte und Aufgaben zu Verhalten und Gewohnheiten, dazu je nach Angebot Kontakt zu Coaches oder einer Gruppe in der App.

Was hinter den Farben steckt

Die Farben richten sich vor allem nach der Energiedichte. Das ist die Energie pro Gramm eines Lebensmittels. Grün sind Lebensmittel mit wenig Energie pro Gramm und viel Wasser oder Ballaststoffen: die meisten Gemüsesorten, viel Obst, Vollkorn, magere Milchprodukte. Gelb sind Lebensmittel in der Mitte, etwa mageres Fleisch, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte oder Brot. Orange sind sehr energiereiche Lebensmittel wie Nüsse, Öl, Käse, Süßes und Chips. Die genaue Zuordnung legt die App fest, sie kann sich mit neuen Versionen ändern.

Wichtig: Orange heißt nicht verboten. Die App empfiehlt nur, einen größeren Teil des Budgets mit Grün und Gelb zu füllen. Die Idee dahinter ist gut untersucht. Die Ernährungsforscherin Barbara Rolls hat in vielen Studien gezeigt, dass Menschen oft eine ähnliche Menge Essen zu sich nehmen, egal wie viel Energie darin steckt (Rolls, 2009). Wer mehr Lebensmittel mit niedriger Energiedichte isst, wird also satt und isst trotzdem weniger. Beispiele dafür findest du im Ratgeber zu Lebensmitteln mit wenig Kalorien.

Was die Psychologie beiträgt

Noom wirbt damit, auf Erkenntnissen der Verhaltenspsychologie aufzubauen, besonders der kognitiven Verhaltenstherapie. In den Lektionen geht es zum Beispiel darum, Auslöser für Essen zu erkennen, mit Stress umzugehen, Ausrutscher nicht zum Abbruch werden zu lassen und kleine, realistische Ziele zu setzen. Diese Techniken gehören in Fachkreisen seit Langem zu guten Abnehmprogrammen. Die App bietet sie in kleinen Häppchen an.

Ein Therapieersatz ist das nicht. Die Lektionen sind allgemein gehalten, das Coaching ist kein ärztliches oder psychotherapeutisches Angebot.

Was die Forschung sagt

Zu Noom gibt es mehrere Auswertungen, viele davon von Forschenden, die für das Unternehmen arbeiten. Die bekannteste ist eine Auswertung von Daten zehntausender App-Nutzerinnen und -Nutzer (Chin et al., 2016). Ein großer Teil von ihnen nahm ab, besonders diejenigen, die regelmäßig ihr Essen und Gewicht eintrugen.

Solche Daten haben klare Grenzen. Es gab keine Vergleichsgruppe, die Angaben stammen von den Nutzenden selbst, und wer die App frustriert aufgibt, fällt oft aus der Auswertung heraus. Dass die Aktivsten am meisten abnahmen, passt dazu, dass Dranbleiben wichtig ist – beweisen lässt es sich so nicht, denn besonders motivierte Menschen nutzen die App auch häufiger. Unabhängige Studien, in denen Menschen zufällig auf Noom oder eine Vergleichsgruppe verteilt und lange begleitet wurden, sind rar.

Die Bausteine selbst sind dagegen gut belegt: ein moderates Kaloriendefizit, Selbstbeobachtung durch Protokollieren, Lebensmittel mit niedriger Energiedichte und Techniken aus der Verhaltenstherapie. Ob Noom besser oder schlechter wirkt als andere Programme mit diesen Bausteinen, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht sicher sagen. Ein gut untersuchtes Programm mit ähnlichem Ansatz ist Weight Watchers.

Ein typischer Tag

So kann ein Tag aussehen, der gut ins Farbsystem passt – ohne Kalorienangaben, denn die hängen von deinem Budget ab:

  • Frühstück: Skyr-Bowl mit Beeren – vor allem Grün, ein paar Nüsse in Orange.
  • Mittag: Gemüsesuppe mit einer Scheibe Vollkornbrot – viel Grün, macht satt.
  • Snack: ein Apfel oder Gemüsesticks mit Hummus.
  • Abend: Hähnchen-Gemüsepfanne – Gemüse in Grün, Hähnchen in Gelb, das Öl in Orange.
  • Später: ein Stück Schokolade, eingeplant statt verboten.

Dazu gehört die tägliche Lektion, etwa zur Frage, warum der Griff zur Schokolade abends so oft kommt.

Für wen geeignet – und für wen nicht

Noom passt zu Menschen, die gern mit dem Smartphone arbeiten, Freude am Protokollieren haben und verstehen möchten, was ihr Essverhalten antreibt. Wer feste Verbote nicht mag, findet das Farbsystem oft angenehm.

Weniger gut passt es, wenn dich ständiges Eintragen stresst oder du die laufenden Kosten auf Dauer nicht tragen möchtest. Das Prinzip kannst du auch ohne App nutzen: viel Gemüse, in jeder Mahlzeit etwas Eiweiß und Energiereiches in Maßen. Hilfe beim Protokollieren gibt der Ratgeber zum Kalorienzählen.

In Schwangerschaft und Stillzeit ist eine Diät zum Abnehmen nicht angesagt. Für Kinder und Jugendliche ist das Programm nicht gemacht. Wer eine Essstörung hat oder hatte, sollte auf Protokolle und Farbkategorien verzichten. Wenn du Medikamente gegen Diabetes oder Bluthochdruck nimmst oder chronisch krank bist, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Häufige Fehler

  • Orange als verboten sehen. Nüsse und Olivenöl sind energiereich, aber wertvoll. Es geht um die Menge.
  • Grün als unbegrenzt sehen. Auch Vollkorn und Obst haben Energie.
  • Die Lektionen überspringen. Sie sind der Teil, der Noom von einem reinen Kalorienzähler unterscheidet.
  • Jeden Tag perfekt sein wollen. Ausrutscher gehören dazu. Entscheidend ist der Verlauf über Wochen.
  • Keinen Plan für die Zeit nach dem Abo haben. Behalte die Gewohnheiten, die geholfen haben.

Häufige Fragen

Was kostet Noom?

Das hängt von Laufzeit und Angebot ab, Preise ändern sich regelmäßig. Die aktuellen Konditionen findest du direkt beim Anbieter. Achte auf Abo-Laufzeiten und Kündigungsfristen.

Ist Noom eine Diät?

Noom selbst sieht sich eher als Programm zur Verhaltensänderung. Am Ende arbeitet es aber mit einem Kalorienbudget, also einem Kaloriendefizit wie jede Diät.

Geht das Prinzip auch ohne App?

Ja. Wie groß dein Defizit sein sollte, zeigt der Kaloriendefizit-Rechner. Das Farbprinzip kannst du dir merken: Teller zur Hälfte mit Gemüse füllen, Eiweiß dazu, Öl, Nüsse und Süßes in kleinen Mengen.

Noom ist eine Marke von Noom Inc. Diese Seite ist unabhängig und steht in keiner Verbindung zum Unternehmen.

Quellen

  1. Successful weight reduction and maintenance by using a smartphone application in those with overweight and obesity (Chin et al.). Scientific Reports, 2016.
  2. The relationship between dietary energy density and energy intake (Rolls). Physiology & Behavior, 2009.

Stand: 23.10.2026

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