Buchinger-Fasten: zu Hause, in der Gruppe oder in der Klinik?
Die bekannteste Form des Heilfastens: einige Tage nur Wasser, Tee, etwas Saft und Gemüsebrühe – eingerahmt von Entlastungs- und Aufbautagen.

Das Prinzip
Für eine begrenzte Zeit gibt es keine feste Nahrung, nur sehr wenig Energie aus Saft, Brühe und etwas Honig. Buchinger-Fasten ist als Auszeit gedacht. Das Gewicht sinkt durch das große Defizit, ein Teil davon ist Wasser.
- Aufwand im Alltag
- hoch
- Studienlage
- begrenzt
Spricht dafür
- Klare, seit Jahrzehnten erprobte Struktur mit Vorbereitung, Fastentagen und Aufbau
- Leitlinie mit Regeln, wer fasten darf und wann ärztliche Begleitung nötig ist
- Viele angeleitete Angebote: Fastengruppen, Fastenwandern, Fastenkliniken
- Bewegung, Ruhe und Zeit für sich gehören fest dazu
Spricht dagegen
- Hunger, Frieren, Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme sind vor allem in den ersten Tagen häufig
- Viele Menschen dürfen nur unter ärztlicher Aufsicht oder gar nicht fasten
- Auch Muskelmasse geht verloren, ein Teil des Gewichts kommt schnell zurück
- Angeleitete Kurse und Klinikaufenthalte kosten Geld und Urlaubstage
Passt gut, wenn …
- Gesunde Erwachsene, die eine bewusste Auszeit suchen – beim ersten Mal am besten mit Fastenleitung
- Menschen mit Erkrankungen oder Medikamenten nur in ärztlich geleiteten Programmen
Nicht geeignet …
- Schwangere und Stillende
- Kinder und Jugendliche
- Menschen mit einer Essstörung – jetzt oder in der Vergangenheit
- Menschen mit Untergewicht
- Menschen mit Diabetes, Blutdruck-Medikamenten oder anderen Dauermedikamenten – nur ärztlich begleitet
- Menschen mit Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen, Gicht oder anderen chronischen Erkrankungen – nur nach ärztlicher Abklärung, meist in einer Fastenklinik
- Ältere Menschen und alle, die sich unsicher sind – vorher mit Ärztin oder Arzt sprechen
So funktioniert Buchinger-Fasten
Buchinger-Fasten ist nach dem Arzt Otto Buchinger benannt, der das Fasten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland bekannt machte. Wenn hierzulande von Heilfasten die Rede ist, ist meist diese Methode gemeint. Andere Fastenformen wie die F.-X.-Mayr-Kur oder die Schrothkur folgen eigenen Regeln.
Den Ablauf mit Entlastungstagen, Fastentagen, Fastenbrechen und Aufbautagen beschreiben wir ausführlich auf der Seite Heilfasten nach Buchinger. Hier geht es vor allem um die Frage, die vor dem ersten Fastentag steht: Wo und mit wem fastest du – und wann muss eine Ärztin oder ein Arzt dabei sein?
Was beim Buchinger-Fasten erlaubt ist
An den Fastentagen gibt es keine feste Nahrung. Erlaubt sind:
- Wasser und Kräutertee in großzügigen Mengen über den Tag verteilt
- Etwas Obst- oder Gemüsesaft, oft mit Wasser verdünnt
- Klare Gemüsebrühe, meist am Abend
- Ein wenig Honig im Tee, je nach Anleitung
Die Energie, die so zusammenkommt, ist sehr gering. Der Körper greift deshalb auf seine Reserven zurück. Nach einigen Tagen stellt er sich um und nutzt vermehrt Fett und daraus gebildete Ketonkörper als Energiequelle. Traditionell gehört zum Start eine Darmentleerung, etwa mit Glaubersalz. Zum Fasten gehören außerdem Bewegung an der frischen Luft, Ruhe und Zeit für sich.
Drei Wege zu fasten
Zu Hause: Gesunde Erwachsene fasten nach der Leitlinie der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung zu Hause meist bis zu etwa einer Woche. Hilfreich ist eine Anleitung aus einem Buch oder Kurs und ein Plan für die Zeit danach. Beim ersten Mal ist eine Begleitung sinnvoll.
In der Gruppe: Ausgebildete Fastenleiterinnen und Fastenleiter begleiten Gruppen vor Ort, in Bildungshäusern oder beim Fastenwandern. Das gibt Struktur und Gesellschaft. Eine Fastenleitung ersetzt aber keine ärztliche Betreuung. Sie ist für gesunde Menschen gedacht.
In der Fastenklinik: Hier fasten Menschen unter ärztlicher Aufsicht, auch länger als eine Woche. Ärztinnen und Ärzte prüfen vorher, ob Fasten infrage kommt, kontrollieren während der Kur Blutdruck und Blutwerte und passen Medikamente an. Wer Dauermedikamente nimmt oder chronisch krank ist und fasten möchte, ist hier richtig – ob Fasten überhaupt infrage kommt, klärt die ärztliche Untersuchung.
Was die Forschung sagt
Die Leitlinie der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung (Wilhelmi de Toledo et al., 2013) ist ein Expertenkonsens, keine Studie. Sie legt fest, wie Buchinger-Fasten ablaufen soll, wer fasten darf und wann eine ärztliche Begleitung nötig ist. Sie unterscheidet dabei zwischen dem Fasten Gesunder mit Fastenleitung und dem Fasten bei Erkrankungen, das in ärztliche Hände gehört.
Eine der größten Auswertungen stammt aus einer Fastenklinik (Wilhelmi de Toledo et al., 2019). Über tausend Menschen fasteten dort ärztlich betreut zwischen vier und 21 Tagen. Die meisten vertrugen das Fasten gut, Nebenwirkungen waren überwiegend leicht. Gewicht und Blutdruck sanken, viele berichteten von mehr Wohlbefinden. Es gab aber keine Vergleichsgruppe. Welchen Anteil das Fasten selbst hatte und welchen Ruhe, Bewegung und Betreuung, bleibt offen. Mehrere der Autorinnen und Autoren arbeiten zudem für die untersuchte Klinik.
Für das Abnehmen gilt: Die Waage zeigt nach einer Fastenwoche deutlich weniger. Ein Teil davon ist Wasser aus den geleerten Kohlenhydratspeichern und weniger Darminhalt, ein Teil Fett und ein Teil leider auch Muskelmasse. Kontrollierte Studien, die das Gewicht nach Buchinger-Fasten über Jahre verfolgen, fehlen.
Ein typischer Tag
So kann ein Fastentag aussehen:
- Morgens: langsam aufstehen, Kräutertee, wer mag mit etwas Honig.
- Vormittags: ein Spaziergang oder eine leichte Wanderung, dazu Wasser.
- Mittags: ein Glas verdünnter Obst- oder Gemüsesaft.
- Nachmittags: Ruhe, Tee, vielleicht eine Wärmflasche.
- Abends: eine Tasse klare Gemüsebrühe.
Nach dem Fastenbrechen geht es langsam weiter: gedünstetes Gemüse, Kartoffeln, Haferbrei, später Suppen wie die Kürbissuppe mit Ingwer oder die Rote Linsensuppe. Wer danach dauerhaft anders essen möchte, plant die Wochen nach dem Fasten am besten schon vorher, etwa mit einem Wochenplan.
Für wen geeignet – und für wen nicht
Buchinger-Fasten kann für gesunde Erwachsene eine bewusste Auszeit sein. Wichtig sind Zeit und Ruhe. Eine Fastenwoche neben vollem Job und Familienstress ist keine gute Idee. Wer zum ersten Mal fastet, ist mit einer angeleiteten Gruppe gut beraten.
Nicht fasten sollten Schwangere und Stillende, Kinder und Jugendliche, Menschen mit Untergewicht und Menschen, die eine Essstörung haben oder hatten.
Nur ärztlich begleitet fasten Menschen mit Diabetes, mit Blutdruck-Medikamenten oder anderen Dauermedikamenten. Ohne Essen können Blutzucker und Blutdruck stark sinken, Dosierungen müssen oft angepasst werden. Das gilt auch bei Erkrankungen von Herz, Nieren oder Leber und bei Gicht, denn beim Fasten steigt die Harnsäure im Blut. Glaubersalz und Durchfall können die Wirkung von Medikamenten verändern. Auch der Schutz der Pille kann dann unsicher sein – was in diesem Fall gilt, steht in der Packungsbeilage, die Apotheke hilft weiter. Ältere Menschen und alle, die unsicher sind, sprechen vorher mit ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt.
Häufige Fehler
- Ohne ärztliches Gespräch mit Medikamenten fasten. Auch eine Woche ist dafür zu lang.
- Fastenleitung und ärztliche Betreuung verwechseln. Eine Fastenleiterin begleitet Gesunde. Wer krank ist, braucht eine Ärztin oder einen Arzt.
- Zu wenig trinken. Ohne Essen fehlt auch die Flüssigkeit aus der Nahrung.
- Zu viel vornehmen. Lange Läufe, Sauna am Stück oder Autofahren bei Schwindel sind in einer Fastenwoche keine gute Idee.
- Die Aufbautage abkürzen. Wer direkt wieder groß isst, bekommt oft Bauchschmerzen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Heilfasten und Buchinger-Fasten?
Heilfasten ist der Oberbegriff für Fastenkuren mit gesundheitlichem Anspruch. Buchinger-Fasten ist die bekannteste Methode darunter, deshalb werden die Begriffe oft gleich verwendet. Mehr dazu auf der Seite Heilfasten.
Wie lange darf ich zu Hause fasten?
Gesunde Erwachsene fasten nach der Leitlinie zu Hause meist bis zu etwa einer Woche, dazu kommen Entlastungs- und Aufbautage. Längere Fastenzeiten gehören unter ärztliche Begleitung.
Brauche ich vorher einen Check beim Arzt?
Für alle mit Medikamenten, Vorerkrankungen oder höherem Alter ist das ein Muss. Aber auch wenn du dich gesund fühlst, ist ein kurzes Gespräch in der Hausarztpraxis vor dem ersten Fasten eine gute Idee.
Ist Buchinger-Fasten das Gleiche wie Intervallfasten?
Nein. Beim Intervallfasten isst du jeden Tag in einem Zeitfenster oder an einzelnen Tagen wenig, dauerhaft als Teil des Alltags. Buchinger-Fasten ist eine Kur von einigen Tagen ohne feste Nahrung.
Quellen
- Fasting Therapy – an Expert Panel Update of the 2002 Consensus Guidelines (Wilhelmi de Toledo et al., Leitlinie der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung). Forschende Komplementärmedizin, 2013.
- Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjects (Wilhelmi de Toledo et al.). PLoS ONE, 2019.
Stand: 23.10.2026