Fasten und Scheinfasten: Fastenkur, Fasting Mimicking und was wirklich passiert
Für eine begrenzte Zeit gar nicht oder nur sehr wenig essen – als Fastenkur, als Scheinfasten mit kleinen Mahlzeiten oder als bewusster Verzicht.

Das Prinzip
Beim Fasten nimmst du für einige Tage sehr wenig oder keine Energie auf. Das Gewicht sinkt, weil das Defizit groß ist – ein Teil davon ist aber Wasser und kommt nach dem Fasten schnell zurück.
- Aufwand im Alltag
- hoch
- Studienlage
- begrenzt
Spricht dafür
- Klarer Anfang und klares Ende – du weißt, worauf du dich einlässt
- Scheinfasten ist für viele leichter durchzuhalten als Fasten ganz ohne Essen
- Viele nutzen die Zeit, um Gewohnheiten wie Naschen oder Alkohol zu überdenken
- In angeleiteten Gruppen oder Kliniken gut begleitet möglich
Spricht dagegen
- Hunger, Frieren, Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme sind häufig
- Viele Menschen dürfen nur ärztlich begleitet oder gar nicht fasten
- Ein großer Teil der Abnahme ist Wasser und kommt zurück
- Fertige Scheinfasten-Pakete sind teuer, die Studienlage ist dünn
- Für dauerhaftes Abnehmen ohne Plan für die Zeit danach wenig hilfreich
Passt gut, wenn …
- Gesunde Erwachsene, die eine bewusste Auszeit vom Alltagsessen suchen
- Menschen, die eine Zäsur nutzen wollen, um danach anders zu essen
Nicht geeignet …
- Schwangere und Stillende
- Kinder und Jugendliche
- Menschen mit einer Essstörung – jetzt oder in der Vergangenheit
- Menschen mit Untergewicht
- Menschen mit Diabetes, Blutdruck-Medikamenten oder anderen Dauermedikamenten – nur ärztlich begleitet
- Menschen mit Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen, Gicht oder anderen chronischen Erkrankungen – nur nach ärztlicher Abklärung
- Ältere Menschen mit wenig Muskelmasse – vorher ärztlich besprechen
So funktioniert Fasten
„Fasten“ ist ein Sammelbegriff. Gemeint ist immer: Du isst für eine begrenzte Zeit gar nicht, sehr wenig oder verzichtest bewusst auf bestimmte Dinge. Dahinter stecken aber ganz unterschiedliche Formen.
- Fastenkur: einige Tage ohne feste Nahrung, mit Wasser, Tee, etwas Saft und Gemüsebrühe. Die bekannteste Form ist das Heilfasten nach Buchinger mit Entlastungs-, Fasten- und Aufbautagen.
- Scheinfasten: ein paar Tage mit kleinen, festgelegten Mahlzeiten statt gar nichts. Mehr dazu gleich.
- Intervallfasten: kein Kurfasten, sondern ein Essrhythmus für den Alltag, etwa 16:8. Dazu gibt es eine eigene Seite zum Intervallfasten.
- Verzichtfasten: In der Fastenzeit vor Ostern lassen viele für ein paar Wochen Süßes, Alkohol oder Fleisch weg. Auch religiöses Fasten wie im Ramadan folgt eigenen Regeln.
Für das Gewicht gilt bei allen Formen dasselbe Prinzip: das Kaloriendefizit – du nimmst weniger Energie auf, als du verbrauchst. Beim Kurfasten ist dieses Defizit sehr groß, deshalb sinkt die Zahl auf der Waage in wenigen Tagen deutlich.
Was beim Fasten mit dem Gewicht passiert
In den ersten Tagen leert der Körper seine Kohlenhydratspeicher in Leber und Muskeln. Diese Speicher binden viel Wasser, das dabei mit ausgeschieden wird. Dazu kommt weniger Darminhalt. Ein Teil der Abnahme ist Fett, ein Teil leider auch Muskelmasse.
Sobald du wieder normal isst, füllen sich die Speicher, und das Wasser kommt zurück. Das ist kein Scheitern, sondern Physiologie. Dauerhaft weniger wiegst du nur, wenn sich danach etwas an deinem Alltag ändert.
Was Scheinfasten ist
Scheinfasten heißt auf Englisch „Fasting Mimicking“, also Fasten nachahmen. Die Idee stammt aus der Arbeitsgruppe des Altersforschers Valter Longo in den USA. Statt gar nichts isst du an meist fünf Tagen kleine, überwiegend pflanzliche Mahlzeiten: Gemüsesuppen, Nüsse, Oliven, Kräutertee. Eiweiß und Zucker sind knapp, die Energiemenge ist stark reduziert.
Der Körper soll dabei ähnlich reagieren wie beim echten Fasten, während das Durchhalten leichter fällt, weil du etwas zu essen hast. Es gibt fertige Pakete zu kaufen, viele stellen ihren Plan aber auch selbst zusammen. Am Kaloriendefizit ändert das nichts: Auch Scheinfasten wirkt auf das Gewicht, weil du in diesen Tagen viel weniger isst als sonst.
Was die Forschung sagt
Für das klassische Kurfasten gibt es eine Leitlinie der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung (Wilhelmi de Toledo et al., 2013). Sie beschreibt, wer unter Anleitung fasten kann und wer ärztliche Begleitung braucht. Sie ist ein Expertenkonsens, keine Studie. Kontrollierte Langzeitstudien, die das Gewicht nach einer Fastenkur über Jahre verfolgen, fehlen.
Zum Scheinfasten gibt es Tierversuche und wenige Studien mit Menschen. Eine Arbeit von 2015 (Brandhorst et al.) untersuchte vor allem Mäuse und zusätzlich eine kleine Gruppe von Menschen. In einer randomisierten Studie (Wei et al., 2017) machten rund hundert gesunde Erwachsene drei Monate lang einmal im Monat fünf Tage Scheinfasten. Gewicht, Bauchumfang und einige Blutwerte sanken im Vergleich zur Gruppe, die normal weiteraß.
Das ist interessant, aber noch kein Beweis für einen besonderen Effekt. Die Studie war klein und kurz, ein Teil der Teilnehmenden brach ab. Ob Scheinfasten mehr bringt als ein ähnliches Defizit auf anderem Weg, wurde nicht geprüft. Gut zu wissen: Der Entwickler der Methode ist mit dem Anbieter der fertigen Pakete wirtschaftlich verbunden, das ist in den Studien offengelegt.
Ein typischer Tag
Ein Scheinfasten-Tag in Eigenregie könnte so aussehen – als Beispiel, nicht als Plan zum Nachkochen ohne Rücksprache:
- Morgens: Kräutertee, eine kleine Handvoll Nüsse.
- Mittags: eine Schale Gemüsesuppe, etwa eine leichte Variante der Gemüsesuppe ohne Bohneneinlage.
- Nachmittags: ein paar Oliven, Wasser, Tee.
- Abends: wieder eine Gemüsesuppe, dazu ein paar Gemüsesticks.
Nach dem Fasten ist der Übergang wichtig: kleine Portionen, viel Gemüse, Eiweiß zu jeder Mahlzeit. Eine Kürbissuppe mit Ingwer oder ein Rührei mit Gemüse sind gute erste Mahlzeiten.
Für wen geeignet – und für wen nicht
Gesunde Erwachsene können eine kurze Fastenkur oder ein paar Scheinfasten-Tage ausprobieren, am besten beim ersten Mal in einer angeleiteten Gruppe oder einem Kurs. Plane Ruhe ein: Eine Fastenwoche neben viel Stress und Sport ist keine gute Idee.
Nicht fasten sollten Schwangere und Stillende, Kinder und Jugendliche, Menschen mit Untergewicht und Menschen, die eine Essstörung haben oder hatten. Fasten kann bei ihnen ernsthaft schaden oder alte Muster wecken.
Nur ärztlich begleitet fasten Menschen mit Diabetes, mit Blutdruck-Medikamenten oder anderen Dauermedikamenten – Blutzucker und Blutdruck können stark schwanken, Dosierungen müssen oft angepasst werden. Das Gleiche gilt bei Erkrankungen von Herz, Nieren oder Leber und bei Gicht, weil beim Fasten die Harnsäure steigt.
Häufige Fehler
- Fasten als Abnehm-Abkürzung sehen. Der schnelle Effekt auf der Waage ist großteils Wasser. Was danach kommt, entscheidet.
- Zu wenig trinken. Ohne Essen fehlt auch die Flüssigkeit aus der Nahrung. Kopfschmerzen und Schwindel sind oft die Folge.
- Mit Medikamenten allein fasten. Auch „nur fünf Tage“ können Blutzucker und Blutdruck stark verändern.
- Sofort wieder groß essen. Nach dem Fasten verträgt der Bauch große Portionen schlecht. Langsam aufbauen.
- Ständig fasten. Kur auf Kur ohne normale Phasen dazwischen kostet Muskeln und Nerven.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Fasten und Scheinfasten?
Beim klassischen Fasten isst du keine feste Nahrung. Beim Scheinfasten gibt es kleine, festgelegte Mahlzeiten, die sehr wenig Energie und wenig Eiweiß liefern. Das soll ähnlich wirken und leichter fallen. Ob es das wirklich tut, ist noch wenig untersucht.
Wie oft darf man fasten?
Viele machen eine Fastenkur ein- bis zweimal im Jahr. Eine feste Regel, die für alle gilt, gibt es nicht. Wenn du öfter fasten möchtest, sprich das ärztlich ab.
Nimmt man beim Fasten dauerhaft ab?
Nur, wenn sich danach etwas ändert. Für dauerhaftes Abnehmen hilft ein moderates Kaloriendefizit über Monate mehr als ein paar Tage ohne Essen. Wie das Gewicht nach einer Diät zurückkommen kann, erklärt der Ratgeber zum Jojo-Effekt.
Brauche ich für Scheinfasten ein fertiges Paket?
Nein. Die Pakete sind bequem, aber teuer. Ein selbst geplanter Tag mit Gemüsesuppe, ein paar Nüssen und Oliven folgt demselben Prinzip. Wichtig ist nicht das Produkt, sondern dass Fasten zu deiner Gesundheit passt.
Quellen
- Fasting Therapy – an Expert Panel Update of the 2002 Consensus Guidelines (Wilhelmi de Toledo et al., Leitlinie der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung). Forschende Komplementärmedizin, 2013.
- A Periodic Diet that Mimics Fasting Promotes Multi-System Regeneration, Enhanced Cognitive Performance, and Healthspan (Brandhorst et al.). Cell Metabolism, 2015.
- Fasting-mimicking diet and markers/risk factors for aging, diabetes, cancer, and cardiovascular disease (Wei et al.). Science Translational Medicine, 2017.
Stand: 23.10.2026